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Tier und Mensch

Eine Analyse der Gestalt des Löwenmenschen lässt den Schluss zu, dass in der Statuette mehr tierische als menschliche Merkmale verborgen sind. Der Raubkatzenkopf, der für menschliche Proportionen zu hohe, längliche Körper, die Arme in Form von Läufen und Pranken sowie der fließende Übergang der Beine in die Rückenlinie ohne Darstellung eines Gesäßes sind alles Merkmale einer Tierfigur. Als menschlich können die Proportionen der Beine und Füße, die Darstellung von Knöcheln und natürlich die aufrechte Haltung verstanden werden. Bemerkenswert ist die Schrägstellung der Fußsohlen, mit der man vielleicht eine Bewegung andeuten wollte.

Im Verlauf der Neurestaurierung 2012/13 konnten weitere interessante Details beobachtet werden: Die rechte Körperseite des Löwenmenschen ist weniger gut ausgearbeitet als die linke. Dies ist besonders deutlich am rechten Ohr und am rechten Arm zu erkennen. Außerdem verjüngt sich die Skulptur von oben nach unten stufenweise, d.h.von der Nacken/Schulterpartie bis zum Schritt wurden mehrere Absätze ausgearbeitet. Diese Formgebung mag als Indiz dafür gewertet werden, dass der Löwenmensch möglicherweise einen verkleideten und maskierten Menschen darstellen soll, der sich einen Löwenschädel samt angenähtem Fell mit Läufen übergehängt hat.

In der Komposition tierischer mit menschlichen Merkmalen nähert sich der Löwenmensch den um etliche Jahrtausende jüngeren Mischwesen der altsteinzeitlichen Höhlenmalerei Südfrankreichs, wie z.B. dem „Dieu cornu“ aus der Pyrenäenhöhle Les Trois Frères oder dem „L’homme-bison“ aus der Höhle Le Gabillou in der Dordogne. Stets sind bei diesen fantastischen Figuren menschliche Beine und Füße mit dem Oberteil eines oder mehrerer Tiere verknüpft. Dargestellt sind diese extrem raren Wesen in bewegter, „tanzender“ Haltung.

Unter den figürlichen Darstellungen von der Schwäbischen Alb stehen zwei im Verdacht, ebenfalls Mischwesen zu repräsentieren. Sie sind allerdings wesentlich kleiner und aufgrund ihres Erhaltungszustands nicht zweifelsfrei zu deuten. Ein stark verwittertes Elfenbeinplättchen vom Geißenklösterle zeigt auf der Vorderseite eine Figur mit dünnem, länglichen Körper und erhobenen Armen. Der Kopf ist klein, die breiten Beine sind gespreizt und enden in klobigen Füßen. Ein länglicher, vom Schritt bis zu den Füßen reichender Fortsatz zwischen den Beinen könnte einen Schwanz wiedergeben. Die aufrechte Haltung und die erhobenen Arme boten Anlass, in dieser Darstellung einen betenden oder grüßenden Menschen zu sehen. Eher für eine Interpretation als Mischwesen sprechen die Proportionen und Formen der unteren Extremitäten und der lange Tierschwanz.

2002 wurde bei den Ausgrabungen im Hohle Fels ein Figurenfragment gefunden, das als mutmaßliche Miniaturausgabe des Löwenmenschen bezeichnet wurde. Das nur 2,5 cm große Bruchstück zeigt einen langgestreckten Körper mit abgesetztem Arm, einen kleinen Kopf mit Schnauze und einem runden Ohr. Die getrennten Beine sind allerdings unterhalb des Schritts abgebrochen.